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„Andere Arten des Arbeitens"

Seit 25 Jahren Frankreichaustausch der Berufsbildenden Schule Technik 2 von Christian Kaller - 16.03.2005

dfs-sfaArbeiten im Ausland - für viele ein Traum, der weit in der Zukunft liegt. An der Berufsbildenden Schule Technik 2 (BBS) in Ludwigshafen haben Schüler seit 25 Jahren die Möglichkeit, schon während der Berufsausbildung internationale Luft zu schnuppern. „Seit 1989 haben jedes Jahr ungefähr 15 Schüler des Fachbereichs Gastronomie die Gelegenheit, für drei Wochen in Frankreich praktische Erfahrungen zu sammeln", sagt Dietmar Scherer, Leiter des Austauschprogramms der BBS. Organisiert wird das Programm seit 1980 vom „Deutsch-Französischen Sekretariat für den Austausch in der beruflichen Bildung (DFS/ SFA).

In Frankreich werden die Schüler in die Betriebe integriert und lernen andere Arten des Lebens und vor allem des Arbeitens kennen. Gülnur Atmaca (18) nahm im November 2004 am Austausch nach Nizza teil und wurde dort sofort als volle Arbeitskraft eingesetzt. „Ich habe genauso wie in Deutschland mitgearbeitet. Nach der Vorstellung in den Hotels ging's dann auch direkt los."

Um die Sprachhürde für die Schüler zu senken, wurden sie täglich vier Stunden in einem freiwilligen „Crashkurs Französisch" auf Alltagssituationen vorbereitet. Gülnur hatte anfangs zwar trotzdem Sprachprobleme, doch die Menschen in den Betrieben seien immer aufgeschlossen und hilfsbereit gewesen, so der Schüler. Obwohl Franzosen erfahrungsgemäß eher auf Abstand gingen, wenn sie das Wort „Schüler" hörten, erhielten die BBS-Schüler bisher ausnahmslos Komplimente für Auftreten und Mitarbeit, sagt Scherer.

Der Austausch war eine prägende Erfahrung für Cülnur. „Wenn ich meine Ausbildung abgeschlossen habe, will ich auf jeden Fall ins Ausland gehen. Fremde Sprachen lernen, die Welt sehen - es ist einfach schöner im Ausland zu arbeiten", sagt der Schüler. Ihn haben die lockere französische Art mit Problemen umzugehen und der viel stressfreiere Umgang untereinander beeindruckt. In französischen Hotels nehme sich zurn Beispiel auch das Personal Zeit gemeinsam zu essen, schwärmt er.

Diese Erfahrungen seien genau die Ziele, die man laut Scherer mit dem Austauschprogramm erreichen wolle. „Die Schüler blicken hinter die Kulissen und sehen, dass auch in Frankreich nur mit Wasser gekocht wird. So sollen Schwellenängste abgebaut und der Weg für späteres internationales Engagement geebnet werden. „Europa wächst immer stärker zusammen - da ist es nötig sich international zu öffnen." Gerade in der Hotel-und Gastronomiebranche biete sich ein solcher Austausch an, da hier besonders flexible Leute erwartet werden, so Scherer.

Die Teilnahme am Austausch wird im „Europäischen Bildungspass" dokumentiert und stellt damit eine wertvolle Zusatzqualifikation dar. »Ich denke, dass Erfahrungen im Ausland auch und gerade für Berufsschüler besonders wertvoll sind und habe deswegen vor, dieses Engagement im Rahmen des internationalen Commenius- Projektes in Zukunft noch weiter auszuweiten", sagt Scherer.

Hierzu habe man Kontakt zu Schulen in Spanien, Frankreich, Schweden, Slowenien und Polen aufgenommen. An diesem Projekt werden sechs ludwigshafen Schüler dauerhaft arbeiten, welche die entsprechenden Regionen besuchen und auch vermarkten werden. „Das heißt, dass auch wirtschaftliche Aspekte den Austausch leiten. Wir werden gemeinsam mit den anderen Schulen deren jeweilige Umgebung hier in Ludwigshafen vorstellen, und diese präsentieren dann im Gegenzug das Rhein-Neckar-Dreieck und die Pfalz in ihrem Land."

Info:
Deutsch-Französisches Sekretariat: www.dfs-sfa.org
BBS Ludwigshafen: www.t2.bbslu.de - E-Mail Dietmar Scherer scherer@t2.bbslu.de

 

Stand 01.02.2006